MILLENNIALS - eine Generation voller Ambivalenzen

Super Reisefotos auf Instagram, tiefgründige Zitate, Selbstverwirklichung als einzig wahre Aufgabe im Leben...

 

…das schießt mir sofort ein, wenn ich an meine, an unsere Generation denke. Ich erkenne mich darin zugegebenermaßen nicht nur wieder, sondern verstehe auch die eigentlichen Intentionen und die Zerrissenheit, die sich dahinter verbergen.

 

Ich habe einen Text über die Generation Y gelesen, im Volksmund besser bekannt unter dem Namen „Millennials“. Aber hier mal ein kleiner Überblick, denn es geht ja nicht immer nur um uns:


BABY BOOMER: 1955 – 1965 (erfolgreich/liberal, möchten entschleunigen, Arbeit vor Bedürfnisse)
GENERATION X: 1965 – 1979 (berufliches Vorankommen wichtigstes Ziel, Ehrgeiz/Disziplin)
GENERATION Y: 1980 – 1994 (Arbeit mit Sinn & Abwechslung, Selbstverwirklichung, Teamplayer)
GENERATION Z (oder auch YOUTUBE): ab 1995 (mit kompletter Digitalisierung aufgewachsen, klare Strukturen werden verlangt, unsichere Zukunft ist bewusst)

 

(Die Jahreszahlen variieren von Internetseite zu Internetseite. Ich habe mich schließlich für „Berliner Team“ entschieden.)

 

ANAYLIEREN BIS ZUM UMFALLEN

Streng genommen gehöre ich zur YouTube Generation, aber mein Herz fühlt sich als Millennial. Ich nutze YouTube selbstverständlich auch, aber nicht als ausschließliche Informationsquelle, so wie das die Jugendlichen heutzutage tun.

 

Wir sind die meist-analysierte aller Generationen und ich habe das Gefühl, dass das auch eines unserer Merkmale ist: alles zu Tode analysieren.

 

Wir haben so viele Entscheidungsmöglichkeiten, dass uns das oft einfach zu viel ist. "Ihr könnt alles haben, ihr könnt alles machen", wird uns von den wenigen Leuten, den großen Speakern gesagt, die ihren Traum wirklich umsetzen konnten. Wir brauchen uns eben „nur“ zu entscheiden. Einen Weg einschlagen, der für uns der beste ist. Aber woher wissen wir das? Entscheidungen zu treffen kann Angst machen, denn man übernimmt dafür die volle Verantwortung.

 

Warum Angst? Weil man keinen Vertrag unterschreibt, dass das Ergebnis ausschließlich positiv sein wird. Es kann auch sein, dass man Fehler macht, sich falsch entscheidet und mit den Konsequenzen lernen muss, zu leben. Aus diesem Grund ist das Aufschieben auch ein Charakteristikum unserer Generation.

 

Im Gegensatz dazu steht die übersteigerte Produktivität, die wir ununterbrochen anstreben und ist somit ein Punkt der Ambivalenz, die ich beobachte. Wir haben To-Do Listen, die es abzuarbeiten gilt. Wir wollen Sinnvolles machen, engagieren uns auch über die Arbeit hinaus mit Visionen und Ideen, die wir verwirklichen möchten. Oft bleiben sie Träumereien, weil die eigentlichen Schritte dafür nicht gegangen werden. Warum? Weil wir dafür Opfer bringen müssen und ich weiß, dass dieser Ausdruck bei den Millennials nicht gerne gehört wird.     

 

Denn entscheiden wir uns FÜR etwas, dann auch automatisch GEGEN etwas. Und das muss wohlüberlegt sein. Aber eigentlich ist auch das egal, denn passt es nicht mehr, sind wir sowieso weg. Geben auf oder lassen es liegen und sind schon wieder woanders, was unsere Aufmerksamkeit gereizt hat.

 

Das Aufschieben steht im Gegensatz zur übersteigerten Produktivität, die wir ununterbrochen anstreben. #1

 

WIR WOLLEN NICHTS VERPASSEN
Haben wir schlechte Gefühle, wollen wir diese sofort verändern. Mit Yoga Einheiten oder Podcasts über Persönlichkeitsentwicklung, Meditationen, Entspannungsölen oder den heiß geliebten To-Do Listen. Wir machen alles, damit es UNS gut geht. Wir wollen keine Möglichkeit auslassen, etwas zu erleben. Wir wollen Geschichten schreiben, wir wollen reisen, viele Leute kennenlernen und unser Leben komplett auskosten. Wir wollen am Sterbebett niemanden langweilen. Wir denken nicht an später, denn das, was zählt, ist JETZT. Wir sparen nicht so wie unsere Eltern, bei denen finanzielle Stabilität einen sehr hohen Stellenwert hat. Wir sind der Meinung, dass wir jetzt leben wollen, jetzt wo wir noch jung sind.

 

Wir zwängen uns einen freiheitsliebenden, unabhängigen Lebensstil auf und vergessen dabei unseren tief sitzenden Wunsch nach Sicherheit und Geborgenheit. Bestes Beispiel dafür ist Tinder, wo jeder angeblich nach „nothing serious but open for everything“ sucht. Jeder sucht Liebe, jeder will akzeptiert und angenommen werden und eine Person an seiner Seite haben, auf die man sich verlassen kann. Bei dieser ständigen Verleugnung, weil man es auf Insta und Facebook eben anders vorgelebt bekommt, kommt mir das Kotzen, weil es wohlgemerkt auch mich blendet.

 

Ein aufgedrängter freiheitsliebender Lebensstil, unterdrückt unseren tief sitzenden Wunsch nach Sicherheit und Geborgenheit. #2

 

STICHWORT SeLbStVeRwIrKLiChUnG
Wir wollen uns ausleben, unsere Seele erkunden, erfüllt und glücklich sein. Wir stellen uns selbst in den Mittelpunkt und betrachten andere als Mittel zum Zweck. Autsch. Ich weiß. Egal, weiter. Ich habe das Gefühl, dass wir immer selbstsüchtiger werden und unangenehme Situationen sofort verlassen und gar nicht mehr wirklich richtig durchbeißen. Ja genau, uns fehlt der Biss. Wir sind so darauf konditioniert, dass wir bei „bad vibes“ das Weite suchen und unseren inner circle (das bedeutetet enger Freundeskreis) regelmäßig ausmisten, damit wir unser ganzes Potenzial entfalten können.

 

Das Internet wird überflutet von Stories, Selbstversuchen, Online-Businesses mit Angeboten, wie du in nur 2 Stunden dein ganzes Leben veränderst und jeder Menge Tipps, wie du dich optimieren kannst. Ich folge nur ausgewählten Leuten, weil ich sonst vor Informationsüberschuss wahrscheinlich gar nicht mehr lebensfähig wäre, weil ich nicht wüsste, welches Verhalten oder welche Entscheidung denn jetzt wirklich „richtig“ ist. Moment, was stand jetzt bei Tipp Nr. 2 bei dem Artikel „Wie du gelassener reagierst?“

 

Ich komme dann regelrecht in eine Lähmungsphase, wo ich unfähig bin, auch nur irgendwas zu tun. Burn-out wäre dafür ein super Label und gleichzeitig Stigmatisierung, wo ich aber wenigstens beruhigt wäre, die Ursache zu kennen. (kl. Anm. Sarkasmus) Aber gut, anderes Thema.

 

Wir sind so darauf fokussiert, positive Erfahrungen zu machen, dass das schon an sich wieder eine negative Erfahrung ist. #3

 

OPTIMIERUNG HIER, OPTIMIERUNG DA
Diese ständige Suche bzw. dieser ständige Drang nach Optimierung ist ein eindeutiges Merkmal unserer Generation. Die Verunsicherung, dieses Hin und Her, dieses alles infrage stellen und Pläne im Minutentakt umwerfen, ist erdrückend. Wir machen es uns so schwer, weil wir zu viel von allem haben. Emotionale Krisen und Selbsterfahrungsreisen im übertragenen Sinne sind doch alles nur Versuche, sich an etwas zu Klammern, um innere Stabilität herzustellen. Wie, als würden wir in Information untergehen und uns verzweifelt an irgendwas anhalten, um nicht zu ertrinken.

 

Im Internet wird damit sehr scherzhaft umgegangen. Memes, die unsere Probleme ins Lächerliche ziehen, aber doch diesen wahren, schmerzhaften Kern besitzen. Wir sind überfordert mit der Welt, eben weil sie uns so viel bietet. Warum sehnen sich beispielsweise unsere Großeltern zurück in eine Zeit, in der sie nichts hatten, nur sich selbst? Weil alles überschaubar war. Weil sie das angenommen haben, was zur Verfügung stand und auch, wenn es nicht viel war, sie dankbar waren.

 

Wir wollen alles und gleichzeitig doch so bescheiden sein, dass wir erfüllt sind. #4

 

Und hier schreibt eine von vielen Millennials, die ganz genau gleich ist, so wie eben beschrieben. Ich liebe und ich hasse es gleichzeitig. (Ups, ist das etwa #5?) Ich glaube, wir wollen uns selbst alle einschätzen lernen. Die Digitalisierung hat einen enormen Einfluss auf uns und verändert so viel – wie wir denken, wie wir handeln, wie wir Dinge sehen, dass das einschüchternd und oft zu viel ist. Vielleicht sind das Luxusprobleme für andere Generationen, das mag sein. Aber ich weiß auch, welche Emotionen das neue Zeitalter mit ihren strukturellen/persönlichen Veränderungen auslösen kann und wie wir neben dem ganzen Analysieren und Hinterfragen trotzdem noch versuchen, sane zu bleiben.

 

Mach aus einem Zusammenbruch den Durchbruch!
(tiefgründiges Zitat
️)

 

Deine Babsi