7. SoulTalk

Diesmal haben wir uns das erste Mal in meiner Wohnung getroffen. Eine Million Störfaktoren konnten wir dadurch umgehen – sei es die laute Musik, andere Gespräche, neugierige Zuhörer vom Nebentisch und Umsiedelungen wegen Schließzeiten. Das sind alles Unterbrechungen, die uns daran hindern, fokussiert zu bleiben. Ruhe und Intimität laden ein, uns fallen zu lassen und uns noch intensiver mit den Themen auseinanderzusetzen.

 

Meine Wohnung kann noch nicht viel bieten, aber eine Decke am Boden, Snacks und Getränke haben gereicht. Mit jeder SoulTalk Runde wächst unser Vertrauen und das löst ein sehr wohliges Gefühl in mir aus.

 

Diesmal haben wir unser Treffen spontan mit „Kartenziehen“ begonnen. Das heißt, jede von uns hat eine Karte mit einer Botschaft gezogen.

 

      1. SANFTMUT

      Es stand pro Karte eine Erklärung dabei und jede von uns konnte damit etwas anfangen – vor allem ich. Sanftmütig zu sein, wenn man sich zu viel abverlangt. Wenn der Körper nach Ruhe schreit, man es aber nicht zulässt, weil man „anderes von sich gewohnt“ ist. Sofort wird der Drang nach Pause als Schwäche gedeutet und genau das Gegenteil angestrebt, von dem, was eigentlich guttun würde: „Ich muss mehr leisten.“

 

„Es kann ja nicht sein, dass ich so gar nicht mehr belastbar bin?“, frage ich mich dann. Ich habe einen Idealzustand von mir selbst in meinem Kopf, mit dem ich meinen Gegenwärtigen immer vergleiche. Einen Zustand, wo ich über Monate lang total energetisch war, mich gut gefühlt habe und viel aushalten konnte. Ich weiß selbst, dass das ein Fehler ist. Ich weiß selbst, dass ich nicht einen x-beliebigen Gefühlszustand, als mich ein anderes Umfeld umgeben hat, andere Einflüsse auf mich gewirkt haben und ich andere Dinge in meinem Sichtfeld hatte, als Vergleich nehmen kann, um mich dort wieder hineinzuzwängen versuche.

 

Bei genauerer Betrachtung, ist mir nämlich folgendes aufgefallen: Es ist gar nicht der Glaube daran, dass ich monatelang mit voller Kraft und Energie aufgeladen war. Es gab während dieser Zeit nämlich genauso Tage, an denen ich achterbahnartig in den Keller raste. Wo ich von einem Tag auf den anderen, negative Emotionen in mir aushalten musste, die genau dem Gegenteil entsprachen, was ich gerade beschrieben habe. Es gibt jedoch eine wichtige Erkenntnis: Ich spürte alles intensiv. 

 

Während dieser Zeit war es nicht das - fälschlicherweise abgespeicherte - durchgehend positive Gefühl, welches ich pflegte zu haben. Nein, es war der Umstand, dass ich - sei es gut oder schlecht - ALLES intensiv erlebte und spürte, was mich so lebendig machte.

Ich sehne mich dadurch nicht in diesen Idealzustand zurück, sondern in die Zeit, als ich das Leben schmeckte. Es schmeckte manchmal bitter und manchmal sehr süß, aber ich schmeckte es in einer Intensität, die ich mir IMMER wünsche.

 

Deshalb sind Pausen so wichtig. Auch wenn wir das Gefühl haben, dass uns dadurch viel entgeht oder wir nicht produktiv sind oder im schlimmsten Fall etwas verpassen, sind es genau die Auszeiten, die uns zur Kreativität bzw. Produktivität anregen. Wenn wir uns erlauben, uns zurückzunehmen, Erlebnisse und Eindrücke zu verarbeiten, uns neu aufladen, genau dann ist es möglich, das Leben eingehend und in seiner vollen Pracht wahrzunehmen und auch zu genießen. Im Gegensatz zum permanenten Leisten, was uns in einen Zustand der Lustlosigkeit bzw. Gleichgültigkeit manövrieren kann.  Deswegen ist Sanftmut angesagt, das heißt, sorgsam mit dir umzugehen, dich in einer freundlichen Umgebung aufzuhalten und in angenehme Situationen mit liebevollen Menschen zu begeben. 


2. HELLHÖRIGKEIT

Aber nicht nur meine gezogene Karte brachte ein Gespräch ins Rollen. Wir haben uns auch bezüglich der Hellhörigkeitskarte über Intuition bzw. Kopf Entscheidungen unterhalten. „Kopf Entscheidungen“ könnte man auch als Last sehen, da es mehrere Möglichkeiten gibt, die man vergleichen muss, bevor man sich letztendlich entscheidet. „Intuition Entscheidungen“ sind hingegen meist eindeutiger, können aber bei der Umsetzung Ängste hervorrufen, weil sie rational gesehen, oft keinen Sinn ergeben. Kommt Druck von außen und ist man nicht willensstark genug, trotzdem seine Entscheidung durchzuziehen, egal welche Konsequenzen diese mit sich bringt, lässt man sich leicht beeinflussen. Wir stellen fest, dass wir solche „Bauchentscheidungen“ in zwischenmenschlichen Beziehungen bevorzugen.

 

3. BERUFL. VERÄNDERUNG

Wir haben auch über den Wunsch nach beruflicher Veränderung gesprochen und dies gleichzeitig mit der Aufgabe, die wir uns letztes Mal aufgegeben haben („Wir sind der Durchschnitt der 5 Menschen, mit denen wir die meiste Zeit verbringen.“ – Wir werden uns überlegen, wer das ist und ob wir das gut oder schlecht finden.)  verbunden. Fakt ist, dass es uns allen sehr schwergefallen ist, 5 Personen zu wählen. Fragen wie: „Wer beeinflusst uns wirklich? Leute, die wir nur alle 2 Wochen sehen, dafür aber intensiv (wie zum Beispiel unserer SoulTalk) oder z.B. Arbeitskollegen, mit denen wir zwar mehr Zeit verbringen, aber nicht wirklich sprechen?“

 

Abgesehen von unseren festen Freunden und eventuell bester Freundin, fiel es uns schon schwer, dies festzumachen. Der Grund, warum die Bewusstwerdung so wichtig ist, ist folgender: Wir lassen uns von diesen Menschen beeinflussen und inspirieren. Wir übernehmen Werte und Ideen, sehen die Welt in manchen Bereichen ähnlich wie sie. Wir übernehmen einen Teil von ihrer Energie und demnach auch Probleme und Sorgen. Und nicht nur das. Man kann sich vorstellen, dass wir Menschen alle miteinander vernetzt sind, mit unseren 5 engsten Menschen klarerweise am stärksten. Jedoch ist zu berücksichtigen, dass die 5 engsten Menschen von unseren 5 engsten Menschen auch wiederum uns beeinflussen. Minimal und natürlich unbewusst, aber es gibt einen Einfluss. Aus diesem Grund ist es von Vorteil, sich ein ungefähres Bild zu machen, wer das ist.

 

Wer einmal aus diesem altbekannten Netz heraustritt, weil er beispielsweise länger reist oder den Wohnort wechselt, wird deutlich spüren können, wie stark das Umfeld entweder eben positiv oder negativ auf einen einwirkt. Ob man dadurch mit Ideen und neuen Ansichten gefüllt wird und sich der Horizont weitet oder ob einem lediglich die Energie ausgesaugt wird und man sich kraftlos fühlt. So sehr man sich auch bemüht, ganz bei sich zu bleiben (z.B. in der Arbeit), das gelingt nicht. Wer Leute kennt, die aus jeder Lösung ein Problem machen, wird diese Einstellung – zwar ungewollt und wenn auch nur minimal – verinnerlichen. Aber das reicht schon, dass es sich in irgendeiner Weise, sei es durch Entscheidungen oder Motivationen, auf sein eigenes Leben auswirkt.

 

 Mit dieser Aufgabe wollten wir uns genau das bewusst machen, einmal in uns gehen und nachdenken, wohin es uns im Leben zieht und wie wir das am bestmöglichen erreichen – ohne, dass wir uns negativ beeinflussen oder einreden lassen, dass ein Plan nicht funktioniert.

 

Deine Babsi