Wie dich deine eigene Bubble viel Zeit kosten kann

Jeder lebt in seiner eigenen, kreierten Wirklichkeit. Man baut sich ein Leben auf, schreibt seine Geschichte und folgt persönlichen Glaubenssätzen. Widerfährt uns etwas besonders Schlimmes, dann legen wir uns ertragbare Erklärungen zurecht, mit denen die Illusion unseres Egos nicht untergehen kann. Denn das wäre fatal. Ob man es sich eingestehen kann oder nicht, jeder lebt in seiner eigenen Bubble. In unserer Welt ergibt alles Sinn. Wir sind meistens die Guten in unseren Geschichten. Die, die alles richtig machen. Die sich aufgeben, selbstlos und einfach „zu gut für diese Welt sind.“ Die andere, die 2. Seite liegt im blinden Fleck und wird kaum Beachtung geschenkt. Warum auch? Es geht ja um uns, wie immer eben. Und schwups ist eine weitere Illusion und zwar die der Selbstlosigkeit auch zerbrochen.

 

Wir wiederholen bestimmte Muster immer und immer wieder, ohne dass und das überhaupt auffällt. Wer radikale Ehrlichkeit an den Tag legt und sich auch mit Leuten umgibt, die ganz und gar nicht ähnlich wie man selbst ticken bzw. denken und andere Weltanschauungen hegen, bekommt dadurch allmählich einen anderen Zugang zu sich selbst und auch der Welt. Im Dialog werden andere, wertvolle Perspektiven aufgezeigt, mit denen man sich beschäftigen kann. Wir sind dermaßen durch unsere Erfahrungen in Beziehungen geprägt, dass wir unbewusst genau ähnliche Umstände anziehen. Unsere Seele wurde gebrandmarkt. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um positive oder negative Erlebnisse handelt. Essenziell ist, dass es sich vertraut anfühlt. Das ist das einzig Wichtige. Wir wollen uns sicher fühlen und das tun wir mit Dingen, die wir kennen. Menschen entscheiden sich eher für das bekannte Elend, als das ungewisse Neue. Verständlich.

 

Wir leben ein Leben nach Regeln, die wir selbst aufgestellt haben. Wir glauben, dass diese unveränderbar sind. Wir denken gar nicht nach bzw. hinterfragen unsere Handlungen selten. Einmal antrainiert, schon automatisiert.

 

Wie viel Zeit haben mich meine emotionalen Krisen schon gekostet? Wie viel Zeit habe ich mit regungslosem Denken verbracht? Wie ausgiebig habe ich mich in meinem Schmerz gebadet? Wie oft habe ich mir in meiner Welt alles genau so zurechtgelegt, unabhängig von der Realität, in der wir uns befinden, damit es mir besser geht? Wie oft habe ich in Aussagen, Gesten und Handlungen etwas hineininterpretiert, was nur meiner eigenen Wirklichkeit entsprochen hat?

 

Ich habe so viel Zeit, Sorgen und Kummer gewidmet, dass mir dieser Zustand des emotionalen Schmerzes so vertraut geworden ist, dass ich mich ohne ihn kraftlos, ja schon fast hilflos gefühlt habe. Oft irrational und unerklärlich, wie als hätte ich mir ein eigenes Loch geschaufelt und mich absichtlich hineingestellt, nur um dann zu denken: „Ha, da haben wir es wieder.“ Denn in diesem Zustand wusste ich genau, was zu tun war. Ich kannte mich damit aus, er war mir vertraut. Das war meine Bubble. Immer das Gleiche. Ähnliche Situationen, die ich in mein Leben eingeladen habe, um mich darin zu bestätigen, was ich schon von im Voraus befürchtet habe.

 

Die Wahrheit ist, man kann es stoppen. Auf der Stelle. Die Macht, die wir haben, ist so groß und unendlich, dass viele davor zurückschrecken. Ich auch. Verstärken wir lieber die positiven Ereignisse, in dem wir diesen mehr Beachtung schenken, damit die schönen Gefühle verinnerlicht werden können. Negative Erlebnisse bzw. Gefühlszustände sind auch Teil der menschlichen Natur, aber fokussieren wir uns zu sehr darauf, verstärken wir sie.

  

Diese Art zu denken, hat mich viel Zeit gekostet. Immer die gleichen Abläufe und darauffolgenden Handlungen haben mich in eine Einfältigkeit manövriert, die nicht viel Spielraum für neue Ideen und Ansätze zugelassen haben.

 

Wer so weit ist, ein Umdenken zuzulassen, wird in eine Umbruchsituation geschleudert, die viele Veränderungen mit sich bringen und dementsprechend auch neue, unbekannte Gefühle, die – wie in meinem Fall – sehr überwältigend sein können und mit denen man auch erst einmal lernen muss, umzugehen.

 

Aber dazu das nächste Mal mehr.

 

Deine Babsi