Emotionscocktail 2019 Angst

Die letzten Wochen waren irgendwie hart. Für meine Gefühlswelt. Angstzustände, Panik, Hilflosigkeit, Eifersuchtsattacken, Orientierungslosigkeit und Ohnmachtsgefühle bestimmten den Großteil meiner Zeit. Da kam einiges auf mich zu und ich versuchte einfach nur, nicht darin zu ertrinken. Es ist teilweise so heftig, dass ich nicht mehr weiß, wo ich mich anhalten kann.

 

Es erwischte mich quasi wie aus dem Nichts. Aus diesem Grund kam mir die Meditation von Seelenrave wie gerufen. Genauer gesagt, eine Heilmediation via Facebook live. Ludwig meinte, dass gerade hoch transformative Prozesse vonstattengehen und traf mit seiner Beschreibung den Nagel auf den Kopf. Auch er selbst sei momentan von Drama gebeutelt. Ich konnte meine schwere Emotionskiste dort abstellen, denn ich fühlte mich wahrlich verstanden.

 

DAS ERSTE MAL ALLEINE
Ich schiebe viel auf meinen Umzug, da dies eine mögliche Erklärung sein könnte. Das erste Mal alleine, das erste Mal auf sich gestellt und das ist ein Umbruch, auf den man sich erst einstellen muss. Ich verursache bzw. kreiere Probleme in meiner Beziehung, weil mich teilweise Gefühle übermannen, die ich nicht halten kann. Aus diesem Grund kommen viele Unsicherheiten und Ängste hervor, mit denen ich nicht mehr weiß, umzugehen. Ich bin an einem Punkt angelangt, wo ich mir selbst nicht mehr helfen kann. Da bringen mich auch keine Bücher, Podcasts oder Videos weiter. Nur im Dialog finden wahre Wachstumsprozesse statt.

 

Die Gefühle brechen einfach auf und ich bin nicht der Typ Mensch, der sagt: „Ok, ich weiß zwar, dass da was ist, aber ich lenk mich mal lieber davon ab.“ Ich bin eher der Typ Mensch, der sagt: „Ok, ich weiß, dass da was da ist und ich gehe dem so lange auf den Grund, bis ich weiß, was es ist.“ Das ist auch ein allgemeines Problem. Wenn Leute etwas empfinden, für das es im Moment (noch) keine Erklärung gibt, dann suchen sie krampfhaft nach einer. In Ungewissheit auszuharren ist nahezu unerträglich, ich weiß.

 

SPÜRE ICH MEINE ODER DEINE GEFÜHLE?
In der Heilmeditation war es auch Thema, dass wir manchmal mit der Gefühlswelt von unseren engen Familienmitgliedern verbunden sind, mit zum Beispiel die der Mutter, des Vaters/Bruders oder der Oma. Je nachdem, wie stark die Verbindung bzw. ungelöste Konflikte sind. Es überkommen mich innerliche Bilder, die mir zeigen, dass nicht alles von mir sein kann. Krampfhaft beschäftigte ich mich mit Themen, die so drückend sind, dass Unbeschwertheit in diesem Zusammenhang ein Fremdwort ist. „Das kann nicht die Gefühlswelt einer 24-jährigen sein“, denke ich mir dann. Unmöglich. Ich habe das Gefühl, dass ich mich mit Problemen auseinandersetze, die nicht altersadäquat sind. Sie treffen mich wie Wellen, es ist unfassbar.

 

Emotionen bilden unsere Identität. Wenn man jahrzehntelang in einem Emotionscocktail gefangen ist, beziehungsweise eine Emotion immer wieder stark fühlt, wie z.B. Schmerz in Beziehungen, dann nährt uns das. Aus den kompletten Einbrüchen, die ich hatte, habe ich unglaublich viel Kraft geschöpft. Das ist ein Korsett, in welches ich mich immer hineingezwängt und regelrecht gebraucht habe, weil es mir vertraut war. Aber die „Drama Brille“ kann man auch absetzen (ja, ich war selbst erstaunt) und Situationen aus einer anderen Perspektive betrachten. Manchmal ist auch vieles ganz simple und man braucht seine eigene, kreierte Welt gar nicht dafür. Es ist möglich, Dinge nüchtern zu betrachten bzw. sich an realen Gegebenheiten zu orientieren.

 

DIE FALLE DER VERTRAUTHEIT
Es kann auch sein, dass in diesen Zeiten der Prozessveränderung Gefühle aufbrechen, die man damals nicht fühlen konnte bzw. durfte. Die kommen in diesen Zeiten jetzt alle auf einmal. Auch damit konnte ich mich gut identifizieren, denn dieser Emotionscocktail kann nicht ausschließlich von der Gegenwart gemixt worden sein. Man kriegt immer das im Leben, womit man auch umgehen kann. Münzt man das um, bedeutet das, dass ich jetzt stabil genug bin, um diese Gefühle auszuhalten. Ansonsten wäre ich noch im Abwehrmechanismus Unterdrücken bzw. Verdrängen.

 

Die Gefühlslage, die ich momentan verspüre, ist mir ganz neu und fremd und das ist genau das, was mir so Angst macht. Weil bei diesen ganzen „Drama Geschichten“, die ich bisher immer hatte, wo ich mich halbherzig auf jemanden eingelassen habe, dann irgendwas passiert ist und ich wieder enttäuscht wurde, wodurch ich abermals mein Drama, meinen Schmerz gefühlt habe, nur eine Wiederholung meiner Muster war. Da kenne ich mich gut aus, da weiß ich, woran ich bin. Die Falle der Vertrautheit. Ich leide wieder, ich habe Schmerz in mir. Das Gefühl ist mir nicht neu und ich weiß genau, wie ich damit umgehen soll. Wenn man jemandem im Leben hat, der aufzeigt, dass es auch einen anderen Weg gibt, Dinge zu sehen, dann hat man schon gewonnen (S<3).  Man kann auch dramalos durchs Leben gehen und trotzdem erfüllt sein. Lacht nicht, aber das ist eine neue Erfahrung für mich.

 

Emotionen brechen über mich herein, die ich nicht identifizieren bzw. zuordnen kann. Ich bin total verloren zwischen Intuition und überprüfter Wahrheit und Tatsachen bzw. Tatsachen interpretieren. So viel Vertrauen in Menschen haben, die machen, was sie sagen. Lügen. Wahrheit. Ich bin in einem Umbruch. Ich weiß nicht, ob das Erwachsenwerden ist. Wenn das Erwachsenwerden ist: Grüß Gott, danke, auf Wiedersehen. Da war die Pubertät ja nichts dagegen. Mein Wunsch ist es, mich altersadäquat zu fühlen.

 

THINK BIG
Wieder leben, wieder unbeschwert sein. Ich weiß, dass diese Phase wiederkommen wird. Jetzt muss ich noch bisschen was durchmachen, bisschen was aufarbeiten. Ich möchte kein Leben in Angst führen. Ich möchte kein Leben führen, nur damit ich irgendwelchen Erwartungen gerecht werde. Ich weiß, dass das bedeutet, aus der Komfortzone auszubrechen. Viele entscheiden sich dagegen, ich weiß das. Ich weiß aber auch, dass der nächste logische Schritt ist, wieder zu gehen. Das ist für mich schon Fakt. Ich möchte nicht irgendein Leben aus Angst führen, um dann später draufzukommen: „Hey, hätte ich das einfach doch gemacht.“ Weil im Endeffekt wird sich alles so richten und alles so passieren, wie es passieren muss.

 

Ich bin ein risikobereites, starkes Mädchen und das bin ich einfach nur, weil ich mich Ängsten stelle und dann auch wieder genau das mache, wofür ich da bin. Und am Ende des Tages wird alles so kommen, wie es kommen muss.

 

Alles was du durchmachst, wird dir später zugutekommen.

deine Babsi