Leidenschaft vs. Toxizität

Ich habe vor einigen Wochen eine Umfrage gemacht, über welches Thema gerne gelesen wird. Gewonnen hat „Eifersucht“, knapp vor „Leidenschaft vs. Toxizität“. Aus diesem Grund dachte ich mir, verfasse ich heute auch einen Text dazu.

 

Ich werde das jetzt sehr spontan machen. Ich habe kein Konzept oder eine Grundidee, ich lass es einfach fließen. Leidenschaft ist ein schönes Wort. Ich verbinde es mit Feuer, Tiefe und sich-nicht-halten-können. Es gibt ja den Spruch „Es brennt die Leidenschaft.“ Das hört sich alles so schön und sinnlich an. Und das ist es auch. Oder sagen wir, kann es auch sein.

 

Aber eigentlich steckt hinter diesen wahnwitzigen Emotionen nicht nur durchgehend Positives. Ganz im Gegenteil. Wer Leidenschaft und ich meine damit so richtige, tiefgehende Passion verspüren kann, die auch den anderen in seinen Bann zieht, hat nicht nur gesunde Anteile in sich. Das ist zumindest meine Auffassung. Wer in der Lage ist, sich komplett in die Emotion Liebe und auch Erotik fallen lassen kann, der braucht auch diesen Gegenpart. Die Aggression, das Wilde, die Ecken und Kanten. Die Person muss selbst für etwas Brennen, das sie wiederum ausstrahlt. Charisma.

 

Also, entweder diese Person brennt FÜR etwas, hat Ziele und Träume, die es zu erreichen gilt und strahlt somit diesen gewissen Touch an Unzähmbarkeit aus oder die Person IST ausgebrannt.

 

Es gibt gewisse Persönlichkeitsstörungen, die zwischen den Extremen hin- und herstolpern. Zwischen Liebe und Hass. Zwischen Nähe und Distanz. Zwischen Idealisierung und Abwertung. Verliebte Hochphasen wechseln sich mit grundlosen Hassgefühlen ab. Misstrauen mit der Sucht nach Liebesbeweisen, auch wenn diese nicht angenommen werden. Nähe wird sehnsüchtig verlangt, jedoch ab dem Zeitpunkt, wo man sie bekommt, sofort unterdrückt. Die Angst, verlassen zu werden ist so groß, dass auch Nähe fast unerträglich für sie ist. An einem Tag wird bedingungslos geliebt und am nächsten Tag abgelehnt. Es reichen oft Banalitäten, die sie aus der Bahn werfen. Impulsivität, emotionale Instabilität und Eifersucht stehen am Tagesprogramm. Bedürfnisse müssen sofort erfüllt werden, auch wenn diese manchmal völlig unangemessen sind.

 

Das hört sich mühsam, anstrengend und furchtbar an, oder?

 

Und trotzdem schaffen es diese Menschen, ihre „Beute“ in den Bann zu ziehen. Durch provokante Kleidung und erotisches Verhalten (auch wenn dies nicht immer auf Sex abzielt oder überhaupt gewollt ist) lenken sie die Aufmerksamkeit auf sich. Durch ihre Unsicherheiten – auch über ihre eigene Identität – werden sie (sexuell) schnell zu dem, was der Partner begehrt. Sie heben den Partner auf einen Thron, doch stoßen ihn schnell – bevor es zu bequem wird – wieder herunter. Was passiert? Die meisten tun viel, um sich wieder so zu fühlen und erfüllen die, wie vorher erwähnt, oft unangemessenen Wünsche. Ein einziger Teufelskreis, wenn man sich dessen nicht bewusst ist.

 

Die Beziehung ist unfassbar leidenschaftlich, aufregend und neu. Zumindest am Beginn. Irgendwann kommt der Punkt, an dem das Verhalten für reichlich Konfliktpotenzial sorgen wird. Dadurch, dass bereits einige Beziehungen dieser Menschen gescheitert sind, wird eine vermeintliche Beziehungsunfähigkeit verinnerlicht. (Schneider 2019)

 

Ja, die Leidenschaft… Für mich zieht sie neben den überwältigenden Gefühlen auch einen langen Schatten. Kein Himmel ohne Hölle.

 

Deine Babsi